Andacht für September

Liebe Seniorinnen und Senioren!

Berge sind etwas Faszinierendes. Hoch oben, dem Himmel ein Stück näher, liegt einem die Welt fast zu Füßen. Die Augen schweifen in die Ferne und sehen schneebedeckte Berge, klare Seen, herrliche Bergwiesen und tiefe Täler mit reißenden Flüssen. Wie schön hat Gott die Welt geschaffen. So ein Gipfelerlebnis hinterlässt ein erhabenes Gefühl.

Und doch kostet uns dieses Erlebnis oft viel Schweiß und Mühe. Berge lassen uns unsere körperlichen Grenzen spüren. So ein Aufstieg erfordert Kraft und Kondition. Sind wir aber am Gipfel angekommen, dann entschädigt uns der Ausblick für alle Mühen.

In der Bibel sind Berge oft Orte, wo Menschen Gott begegnen und besondere Gotteserfahrungen machen. Auf Bergen hat sich Gott Menschen offenbart, aber auch als der Verborgene erwiesen. Mose bekommt am Berg Horeb im brennenden Dornbusch den Auftrag, sein Volk zu befreien und am Berg Sinai erhält er die 10 Gebote.

Jesus zog sich in die Berge zurück, wenn er Ruhe brauchte. Er predigte vom Berg aus. Auf einem Berg wurde er vom Teufel versucht und er starb auf dem Hügel Golgatha.

Berge haben schon immer etwas Besonders an sich.

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“

So beginnt der 121. Psalm. Dieser Psalm ist ein Wallfahrtslied. Ein Lied, dass die Pilger auf dem Weg nach Jerusalem zum Gottesdienst im Tempel gesungen haben. Sie gingen zum Berg Zion, um Gott nahe zu sein, um Zuspruch zu bekommen, um zu opfern, zu beten und Gott die Ehre zu geben. Das Ziel war der Tempel, die Wohnung Gottes. Dort spürten sie die Nähe Gottes. Sie erhielten Rat und Weisung für ihr Leben. Sie legten Schuld, Sorgen und Ängste ab, damit sie befreit weiterleben konnten.

Aber dann hieß es auch wieder Abschied nehmen. Aus dem Feiertag ging es in den Alltag. Ein beschwerlicher und gefährlicher Heimweg lag vor den Pilgern. Da waren sie wieder da, die Berge der Sorge, der Angst und der Ohnmacht. Ihre Frage ist verständlich: „Woher kommt mir Hilfe?“ Es ist tröstlich, dass sie Antwort bekommen. Vor dem Heimweg kann ihnen der Priester im Tempel bekennen:

Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Mit diesem Zuspruch können die Menschen den Heimweg in den Alltag antreten. Sie wissen nun, Gott ist größer als die Berge, die sich vor ihnen auftürmen.

Wissen wir das auch?

Unser Leben ist doch auch wie eine Wallfahrt. Wir sind unterwegs. Seit unserer Geburt befinden wir uns auf dem Weg. Herrliche Höhenwege wechseln sich mit langen Durststrecken ab. Jeder Lebensweg ist anders. Ab und zu machen wir Rast. Pausen sind wichtig zum Kraftschöpfen und Atemholen. Gottesdienste, Rüstzeiten, Urlaube, die tägliche Bibellese sind solche Tankstellen. Aber wir müssen weiter. Wir können nicht bleiben. Der Alltag wartet auf uns. Und schon bald beginnen sich die Sorgen und Probleme aufzutürmen wie Berge.

Viele von den Älteren machen die Berge der Einsamkeit zu schaffen. Wer besucht mich? Wer hat Zeit zum Reden? Sorgenberge versperren die Sicht. Was wird werden? Wer wird sich um mich kümmern, wenn ich nicht mehr kann? Berge der Angst rauben den Schlaf. Wie soll ich die

Schmerzen aushalten? Hoffentlich muss ich nicht leiden. Der Berg der Unzufriedenheit lässt uns ungeduldig werden. Warum geht es den anderen so gut und mir so schlecht?

Oft fragen wir uns, wie der Psalmbeter auch: Woher kommt mir Hilfe?

Wie gut, wenn wir dann Menschen haben, die uns auf den hinweisen, der größer ist als alle Berge.

Der, der die Berge geschaffen hat, lässt uns auch mit unseren Sorgenbergen zurechtkommen.

Immer wieder haben für mich Berge mit einem Gipfelkreuz eine besondere Anziehung. Weithin sind sie sichtbar und halten uns eine Predigt. Sie sagen nicht: Hier ist jemand gestorben, sondern: Ihr, die ihr ganz unten seid, schaut auf, hier ist ein Weg; hier ist schon jemand gegangen. Es gibt ein Weg über die Berge hinweg.

Kreuze verkündigen den Sieg Jesu über alles, was uns behindert, lähmt und das Leben schwermacht. Über allem steht Jesus. Er ist der Höchste, der Herr und Sieger. Auf Golgatha hat er diesen Sieg errungen. Wenn wir den Gekreuzigten vor Augen haben, dann hat unser Lebensweg ein gutes Ziel.

Am Ende bekommen die Pilger (Psalm 121,7+8) und auch wir noch einen Segen mit:

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen

Mit diesem vorerst letzten Seniorenbrief möchte ich mich herzlich von Ihnen verabschieden.     Ihre Birgit Mehlhorn

 

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